Unsere Geschichte reicht zurück bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Seit fast 100 Jahren gehört die Freie evangelische Gemeinde (FeG) fest zu Hanstedt. 2016, mit dem markanten Neubau ihres Gemeindezentrums, ist sie vom Rand in die Mitte des Ortes gerückt. Die FeG Hanstedt gehört zu den evangelischen Kirchen, die sich auf die Reformation beziehen. 

Organisatorisch gehört sie zur Stiftung Freie evangelische Gemeinde in Norddeutschland, einem selbständigen Werk im Bund Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland. Er ist staatlich anerkannt als Körperschaft des öffentlichen Rechts.

In der FeG werden die wesentlichen Entscheidungen des Gemeindelebens vor Ort in der Mitgliederversammlung getroffen, diese beruft auch den Leitungskreis und den Pastor. Als Freikirche finanziert sie sich ausschließlich durch Spenden. Die praktische Gemeindearbeit wird getragen durch das ehrenamtliche Engagement der Mitglieder und Freunde.

Wurzeln: Erneuerungsbewegungen in der evangelischen Landeskirche

Ihre Wurzeln hat die FeG in der evangelischen Landeskirche. Im 18. und 19. Jahrhundert war der christliche Glaube vielfach auf Moral und Vernunft reduziert worden. Doch gleichzeitig erlebten viele Menschen, dass der christliche Glaube frisch, lebendig und unverkrampft im Alltag gelebt wurde. Diese sogenannte „Erweckungsbewegung“ zeichnete sich aus durch einen Dreiklang aus persönlicher Erneuerung, sozialem Engagement und Weitergabe des Glaubens:

Die neu entdeckte persönliche Beziehung zu Gott durch Jesus Christus führte zu einem sozialen Engagement und gleichzeitig dazu, dass man die Mitmenschen einlud, den persönlichen Glauben zu entdecken.

Ein Zentrum dieser Bewegung war die Lüneburger Heide. Vor allem durch die Predigten des evangelischen Pastors Louis Harms (1808 -1865) erlebten auch Menschen in Hanstedt und Umgebung eine Erweckung ihres Glaubens. Sie trafen sich zusätzlich zu den kirchlichen Gottesdiensten in Privathäusern zu sogenannten Bibelstunden. Es wurde gemeinsam gebetet, gesungen, die Bibel gelesen und erklärt. Geleitet wurden diese Treffen durch hauptberufliche Prediger der Landeskirchlichen Gemeinschaften oder auch durch Ehrenamtliche.

In Hamburg kam es 1892 nach einer entsetzlichen Choleraepidemie zu einer großen Offenheit für Fragen des Glaubens. Gleichzeitig erkannten Christen neu ihre Verantwortung, sich für das körperliche Wohl der Menschen einzusetzen und sie einzuladen zum Glauben an Jesus Christus.

Es entstand eine Gemeinschaft innerhalb der evangelischen Landeskirche, die 1896 vom Hamburger Senat als „milde Stiftung“ anerkannt wurde. Sie gründete ein modernes Krankenhaus, und baute am Holstenwall ein großes Gemeindezentrum, daher der Name „Holstenwall-Gemeinde“. Besonders prägend waren die „Diakonissen“ – Frauen, die bewusst auf Ehe und Familie verzichteten, um Gott und Menschen zu dienen – in der Gemeindearbeit wie auch in den diakonisch-sozialen Einrichtungen.

1923 kaufte die Holstenwall-Gemeinde  in Hanstedt ein Einzelgehöft am Höllenberg und nannte es „Haus Nazareth“, nach dem Heimatort von Jesus Christus. Geleitet wurde es von Diakonissen, die nach Hanstedt zogen. Das Haus diente als Erholungsheim für Hamburger Kinder und für die Diakonissen. Bis 1957 wurde außerdem Landwirtschaft betrieben. Die Hanstedter Diakonissen sowie die kleinen christlichen Gruppen in Hanstedt und Asendorf kamen miteinander in Kontakt und arbeiteten zusammen.

Die Hanstedter Bibelstunden fanden nun wöchentlich wechselnd im Haus Nazareth sowie bei Johannes Peper statt, ab 1949 bei Wilhelm Rosemann. Aus Rücksicht auf die Gottesdienste der evangelischen Kirche waren die Treffen immer Sonntagsnachmittags. Die Hanstedter Gruppe wurde Teil der Hamburger Holstenwall-Gemeinde.

 

Freie evangelische Gemeinde in Hamburg und Hanstedt

Die Erweckungsbewegung wurde von der evangelischen Landeskirche unterschiedlich aufgenommen. Vielfach wurde sie unterstützt, es kam aber auch zur Spannungen.

Besonders die Überzeugung der Holstenwall-Gemeinde, dass alle Menschen zum Glauben eingeladen werden sollen, aber dass nur derjenige Christ ist, der diesen Glauben persönlich annimmt, widersprach dem landeskirchlichen Selbstverständnis. Daher trat die Holstenwall-Gemeinde 1934 aus der Landeskirche aus und 1935 in den Bund Freier evangelischer Gemeinden ein. Dies galt auch für die Gemeinde in Hanstedt; doch hier blieb die Verbindung zur Landeskirche deutlich länger erhalten.  Erst 1968 wagte man den Schritt, die Bibelstunden Gottesdienste zu nennen und sie auf Sonntag, 10 Uhr, zu verlegen. Zunächst kam es dadurch zu Spannungen mit der evangelischen Kirche, doch die Beziehungen verbesserten sich. Beispielsweise wurden 1974 und 1992 eine Jugendevangelisation bzw. eine Bibelausstellung gemeinsam durchgeführt.

1959 richtete die FeG Hamburg-Holstenwall den Gemeindebezirk Lüneburger Heide ein, um die Gemeindearbeit vor Ort zu stärken.  Dieser Bezirk, der damals von Maschen bis Schneverdingen reichte, erhielt zwei Gemeinde-Diakonissen und einen Prediger als hauptamtliche Mitarbeiter. Die Diakonissen wohnten in Hanstedt und Schneverdingen, den regionalen Zentren, der Prediger kam jeweils aus Hamburg.

Der nächste Schritt der Dezentralisierung wurde 1968 getan, als der Bezirk seine eigene Vertretung der Gemeindemitglieder in Hamburg erhielt, die seit 1977 auch von den Mitgliedern gewählt wurden. 1988 wurde der Bezirk geteilt, es entstanden die beiden heutigen Freien evangelischen Gemeinden in Hanstedt und Schneverdingen.

Heute wird die Gemeindearbeit noch stärker vor Ort gestaltet, doch die FeG Hanstedt ist weiterhin eingebunden in die Stiftung FeGN.

Gemeindearbeit und Präsenz in Hanstedt

Präsent im Ort war die Hanstedter Gemeinde durch ihre Mitglieder und die von ihnen geleiteten Angebote wie Kinder- Jugend-, und Frauenstunden. Dazu kamen große Veranstaltungen, in denen zu einem lebendigen Glauben an Jesus eingeladen wurde. Alle zwei bis drei Jahre wurden diese Veranstaltungen durchgeführt, im Dorfkrug, in Gellersens Gasthaus und im Zelt auf dem Gelände des Sägewerks Heuer. Daneben gab es Bibelwochen und Missionsfeste.

Hauptamtliche Prediger reisten zunächst jeweils mit dem Postbus von Hamburg an.  1946 kam als hauptamtliche Gemeindereferentin die Diakonisse Tine Meyer nach Hanstedt.FeG Chronik Tine Meyer mit Kinderstundengruppe Bis zu ihrem plötzlichen Tod 1972 war sie es, die der FeG Hanstedt ein Gesicht gab. Sie war sehr beliebt in Hanstedt, außerdem mit ihrer Diakonissen-Tracht und ihrem Fahrrad bzw. Motorrad sofort zu erkennen. Durch ihren Einsatz konnten zusätzliche Kinder-, Jugend- und Frauenstunden in Hanstedt und Umgebung angeboten werden; sie leitete zunächst auch die „Bibelstunde“ genannten Gottesdienste.

Seit 1959 gibt es hauptamtliche Pastoren; seit 1975 wohnen sie in Hanstedt, und seit 1988 sind sie ausschließlich für Hanstedt zuständig. Die längste Dienstzeit erreichte Pastor Bernd Meyer (2000-2018), in dessen Zeit auch der Neubau fertig gestellt wurde.

Gebäude: „Haus Nazareth“, „Im Bultmoor 33“ und „Harburger Straße 11-13“

Bis 1968 war „Haus Nazareth“ das inoffzielle Zentrum der Gemeindearbeit.FeG Haus 1 Haus Nazareth 1978 wurde es zum Jugend-Freizeitheim. Heute wird es von einer christlichen Lebensgemeinschaft bewohnt.

1948 hatte die FeG Hanstedt ein Haus in der Straße „Im Bultmoor 33“ geerbt. Es wurde ab 1968 das neue Gemeindezentrum.FeG Haus 2 Im Bultmoor

Im Haus „Im Bultmoor 33“ wohnte Diakonisse Tine Meyer, später die Hanstedter Pastoren. Außerdem fanden in diesem Haus Kinder- und Jugendstunden statt, ab 1968 auch die Gottesdienste.

Auf dem Grundstück wurde 1973 zunächst ein Jugendzentrum errichtet, 1981 wurde ein großer Gemeindesaal für 100 Besucher angebaut – beides nahezu vollständig in Eigenarbeit.

2016 zog die FeG in das neu errichtete Gemeindezentrums in der Harburger Straße 11-13 um. FeG Haus 3 Harburger Strae 11 13 2016 GemeindehausDas neue Grundstück der ehemaligen Gärtnerei Bilkau wurde schon 2005 erworben  und 2007 übernommen. Erste Neubaupläne lagen 2010 zur Genehmigung vor, konnten aber nicht realisiert werden, bedingt durch Einspruch. Bis 2013 lagen deshalb alle Überlegungen brach. Dann aber kam es durch veränderte Baurahmenbedingungen zu erneuten Planungen, die schließlich zum Ziel führen. 2014 wurde der Entwurf eines Gemeindezentrums mit einem Flachdach von der politischen Gemeinde genehmigt, doch aus Rücksicht auf viele kritische Stimmen verzichtete die FeG auf die Umsetzung dieser Pläne und ließ den Entwurf überarbeiten. Dies verursachte zwar eine weitere Verzögerung und zusätzliche Kosten, führte aber zu allgemeiner Akzeptanz des schönen Kirchengebäudes in der Harburger Straße – welches komplett durch Spenden finanziert wird.

 Die großzügigen Räumlichkeiten werden seitdem gern durch die Gemeinde genutzt. Hier finden zum einen die für alle offenen Gemeindeveranstaltungen statt: der Gottesdienst, die Angebote für Kinder, Jugendliche, Pfadfinder, Senioren und Frauen, die Märkte und die Kinder-Ferien-Angebote. Weiterhin finden hier Sprachkurse für Flüchtlinge, Konzerte, Vorträge sowie das Hanstedter Seniorenfrühstück statt.

 

Das lebendige Erbe

In den letzten 100 Jahren hat sich vieles verändert – in Deutschland, Hanstedt und auch in der Hanstedter FeG. Doch das Anliegen der FeG Hanstedt ist geblieben. Auch heute soll in Hanstedt der Dreiklang aus persönlicher Erneuerung, sozialem Engagement und der  Weitergabe des Glaubens hör- und sichtbar werden.

Unser Leitsatz drückt dies so aus: Bewegt von Gottes Liebe bauen wir lebendige Gemeinde – für Hanstedt.40x10 Quadrate statements einzeln Gemeinde hp

 

Quellen:

  • unveröffentlichte Chronik der FeG Hanstedt, Redaktion Otto Kröger und Gerhard Matthies.

mündliche Befragung der Zeitzeugen Irmgard & Gerhard Matthies, Wilhelm Rosemann, Hermann Wille.

Pastor Jonathan Blöcher : 04184 - 7148